Gestern habe ich ein Stück Kindheit verloren. Ich wusste schon beim Aufsteh Aufwachen, dass dieser Tag nicht wie jeder andere werden würde. Zunächst dachte ich, das läge einfach an meinem sich Bahn brechenden fünften Zahn. Aber Papas aufgesetzte Fröhlichkeit und die äußerst ungewöhnliche Tatsache, dass wir mitten in der Woche am frühen Morgen zu dritt einen Familienausflug unternahmen, ließen mich zunehmend misstrauischer werden. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:
Aber was um alles in der Welt hätte mich auf das vorbereiten können, was mich an jenem trügerisch schönen Morgen tatsächlich in Nufringen erwartete? Drei Bilder sagen mehr als … öhmmm … dreitausend Worte:
Abschiebehaft! Kinderknast! Baby-Abstellgleis! Mir fallen ne Menge Begriffe dafür ein, aber keiner wird dem Grauen in seinem ganzen Ausmaß wirklich gerecht, also kann ich es auch einfach beschönigend “Kindergarten” nennen wie Mama und Papa.
Hart im Nehmen wie ich nun mal bin, hätte ich euch damit vermutlich nicht belästigt, wenn sich die Geschichte nicht heute wiederholt hätte! Und es kam noch dicker: diesmal war sowieso nur Mama mit, und die ließ mich dann trotz lautstarker Protestete auch noch allein mit meinen Mitgefangenen und den drei Wärterinnen. Ich weiß nicht, wo das noch enden soll … wahrscheinlich in irgendeiner Uranerz-Mine in Sibirien … mit ganz kleinen Stollen, wo nur Babies reinpassen. Meine LeidensgenossInnen wissen es jedenfalls auch nicht oder wollen es nicht wissen.
Na ich nehme jedenfalls ab sofort Adoptionsangebote an: bitte legt eurer schriftlichen Bewerbung eine Liste des vorhandenen Spielzeugs sowie einen aktuellen Verdienstnachweis bei. Der Gewinner wird an dieser Stelle bekannt gegeben.
PS: um mein leibliches Wohl müsst ihr euch (vorerst) keine Sorgen machen, es gibt so eine Art “Essen” hier im “Kindergarten”.
Zutiefst verstört, Eure Jasmin